Bei der diesjährigen Vienna Design Week war die Künstlerin Petra Gell (PG) mit ihrer Rauminstallation BOOST in der Festivalzentrale am Sachsenplatz präsent und hat in diesem Rahmen Gespräche mit Akteurinnen der Kulturproduktion geführt.
Mit der Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin Paula Marschalek (PM) wurde über die künstlerische Arbeit, die interdisziplinäre Praxis gesprochen genauso wie über in der Kunstbranche essentielle Themen, wie beispielsweise Netzwerken, Kooperationen und Sichtbarkeit. Hier ein Einblick in das Gespräch.

VIENNA DESIGN WEEK/Kollektiv Fischka/Stefanie Freynschlag

PM: Liebe Petra, könntest du uns ein bisschen über deine Rauminstallation BOOST hier im Rahmen der VDW erzählen? Was möchtest du hier erreichen? Was bedeutet BOOST in diesem Kontext?

PG: Ich bin Malerin und der Ausgangspunkt meiner Projekte ist der Raum, d.h. den Raum, den ich zur Verfügung habe. Bei diesem spezifischen Raum hier, den ich von der VDW angeboten bekommen habe, war klar, dass ich eine raumspezifische Installation machen werde. Die Entwürfe habe ich im Atelier angefertigt und mit diesen bin ich dann hierhergekommen und habe das Setting aufgebaut. Der Raum ist als Malerei konzipiert. Ich fand das Spiel zwischen Zwei- und Dreidimensionalität interessant: Einerseits sieht man Collagen und die klassische Malerei auf Leinwand und andererseits wurde der Raum selbst
als Bildträger verwendet, um eine Intervention im Raum zu machen. Die Wand, der Boden, alle Flächen wurden verwendet, um ein malerisches Endprodukt zu gestalten und mit dem Raum zu arbeiten. Die Gegenstände, die ich hier verwendet habe, sind eigentlich meine Werkzeuge, die Tools, die zu dieser Komposition führen. Je nach Oberfläche, Farbigkeit oder Form kam es dann zu diesem Setting. Was ich spannend finde ist, wie Betrachter*innen mit dem zu begehenden Werk umgehen. Schnell tauchen Fragen auf wie, „Darf ich da überhaupt draufsteigen?“, „Steht mir dieser Gegenstand im Weg?“ und oft wurde ich gefragt, warum die Vorhänge um die Fenster drapiert sind und man diesen Ausblick sieht. Diese Irritation find ich spannend und es hat tatsächlich keinen konkreten Nutzen, sondern um sich aufzuladen und um Fragen aufzugreifen, die einen interessieren.

PM: Aus meiner Sicht arbeitest du von der Malerei ausgehend in den Raum sowie mit dem Räumlichen und wirfst Fragen zu eben diesen Themen auf.

PG: Genau, das ist der zweite Aspekt. Ich verstehe Architektur so, dass ich den Raum sozial auffasse und Gespräche führe.

PM: Die Verschränkungen unterschiedlicher Bereiche und gerade das interdisziplinäre Arbeiten verbindet unsere Herangehensweise. Natürlich äußert sich das bei dir als Künstlerin anders als bei mir als Kunsthistorikerin bzw. Kulturmanagerin. Ich würde sehr gerne tiefer in dieses Thema eintauchen. Könntest du uns erzählen, welche Bedeutung Kunst, Design und Architektur für dich in deiner künstlerischen Praxis hat?

PG: Beim letzten Talk mit der Architektin Andrea Graser wurde ich gefragt, ob bei meinen Werken auch der Mensch vorkommt, ob der Mensch Maßstab oder Ausgangspunkt ist. Für mich ist das ja logisch, aber das ist natürlich auch eine subjektive Wahrnehmung bezüglich gesellschaftspolitischen Fragen, die ich von mir ausgehend so beleuchten möchte und
versuche über die bildende Kunst zu klären. Architektur begleitet mich permanent, sei es das Haus, in dem ich wohne oder der Ort, an dem ich lebe in der Stadt, in der ich mich bewege. Das sind alles Eindrücke, die ich aufgreife und tatsächlich sehe ich das sehr linear und geometrisch. Ich liebe zum Beispiel New York, allein wegen der Hochhäuser, das triggert mich total.
Der Unterschied von Kunst zu Design ist, dass man in der Kunst kein konkretes Endprodukt hat. Im Design ist es so, dass man ein bestimmtes Endprodukt hat, das nutzbar ist. In der Kunst werden zwar ähnliche Fragen aufgegriffen, aber es bleibt meistens offener und es gibt keine wirkliche Endlösung.
Ich habe bisher sehr schönes Feedback und tolle Reaktionen auf die hier gezeigte Arbeit bekommen und die wenigsten haben sich gefragt, warum ich als bildende Künstlerin auf der Vienna Design Week bin. Sie haben mein Konzept und meinen Ansatz auch gleich verstanden.

PM: Du hast ja vorher selbst gesagt, dass deine Arbeiten vormaltheoretisch als Malereien konzipiert sind und der Raum als Bildträger fungiert. Könntest du dieses Thema näher ausführen?

PG: Der Start ist immer die Linie, egal mit welchem Projekt ich beginne, die Linie ist das allererste, was da ist. Meistens mit Bleistift, kann aber dann im Raum auch so aussehen (deutet auf Schwimmnudel). Diese Gegenstände befinden sich im Atelier und ich fange dann damit an herumzubauen und zu konzipieren. Am Papier funktioniert das anders als im Raum. Wenn ich den Entwurf mache – und ich mache den analog, kein Rendering wie die Architekten – dann funktioniert die tatsächliche Umsetzung etwas anders. Ich habe hier schon geschaut, wie es sich ausgeht und ob ich dann vor Ort noch etwas verändern muss. Die Grundidee kommt also von der Malerei. Bei dieser Box hier (deutet auf Glaskubus), habe ich überlegt, ob es im Rahmen der VDW ein Objekt braucht, dass eine bestimmte Funktion hat und bin dann auf den Entschluss gekommen, dass es das nicht braucht.

PM: Der Raum BOOST ist auch als Auflade-Ort gedacht. Wo kannst du dich denn aufladen? Was gibt dir Kraft?

PG: Auf jeden Fall kann ich mich in meinem Zuhause aufladen. Ich wohne in Kritzendorf an der Donau, in einem Stelzenhaus. Ich liebe diese Gegend und die Donau, in der ich regelmäßig am Schwimmen bin. Das ist ein wichtiger Ort zum Aufladen. Beim Sport kann ich mich Aufladen. Ich mache Ballett, das hat auch etwas sehr Geometrisches und Lineares. Beim Laufen kann ich mich auch gut runterholen. Last but not least, Städte und damit verbunden Reisen, das finde ich wichtig und empfinde ich als inspirierend. Wo kannst du dich denn aufladen?

PM: Natürlich durch Kunst. Der Austausch mit Künstlerinnen und Kulturschaffenden gibt mir Kraft und Energie. In meinem Zuhause kann ich mich gut aufladen, das ist mein Safe Space und gerade in Zeiten der Lockdowns war es mir wichtig nach Hause zu kommen, sich wohlzufühlen und von Dingen umgeben zu sein, die man schätzt. Ich war in meiner Jugend Leistungsschwimmerin und das Schwimmen ist für mich immer noch etwas, das mich runterholt und wo ich abschalten kann. Welche Bedeutung haben für dich Frauennetzwerke in der Kunst und Kultur?

PG: Ich habe sehr lange in einem Künstlerinnenkollektiv gearbeitet und als ich mich entschied, mich davon wegzubewegen und wieder bei meinen Themen anzukommen, war es tatsächlich so, dass ich mich gefragt habe, wie funktioniert denn Netzwerken? Ich musste das lernen. Ich fands ein bisschen peinlich, dass ich da nicht so viel Durchblick hatte. Ich habe dann eine Künstlerin angeschrieben, die mir imponiert hat und habe sie um Input und Unterstützung gebeten. Sie hat mir dann gesagt, ich soll doch zu einem Treffen im Angewandte Innovation Lab kommen, wo dann der Saloon Wien vorgestellt wurde. Dabei handelt es um ein internationales Frauennetzwerk, das in Berlin gegründet wurde und mittlerweile gibt es an zehn verschiedenen Orten einen Zusammenschluss von Kuratorinnen, Künstlerinnen und Galeristinnen. Das fand ich super, dass man sich zu verschiedenen Themen austauschen kann und Institutionen anschaut und so weiter. Vor COVID-19 gab es dann die Möglichkeit an einem Austauschprogramm teilzunehmen und ich war in Berlin und Hamburg. In Berlin habe ich eine Künstlerin aus Wien kennengelernt, mit der ich mich eng vernetzte und gemeinsam haben wir eine Art Coaching-Format in sehr kleinem Kreis gegründet, wo wir uns alle zwei Wochen über unterschiedliche Themen austauschten, wie zum Beispiel Homepage, Schreiben über Kunst, etc. Dieses Rückkoppeln mit Gleichgesinnten ist mir persönlich total wichtig.

PM: Das sehe ich auch so. Mittlerweile gibt es einfach wahnsinnig viele Netzwerke: von Female Founders, die sich mit Start-Ups beschäftigen, über die Frauendomäne, die Expertise und Vernetzungen anbieten. Ich bin auch ein Mitglied im Saloon und da finde ich die Internationalität spannend, sich über die nationalen Grenzen hinweg zu vernetzen. Wenn man sich zusammenschließt, passiert einfach mehr, als wenn man allein kämpft, gerade bei so eine Branche wie in der Kunst und Kultur.

PG: Dieses Austauschen, wo kriegt man Informationen her. Wo gibt es Open Calls? Wie kommst du zu einer Förderung? In Wien ist leider das Ellbogen-System stark vertreten. Man gibt erst Informationen weiter, wenn man sich über 10 Jahre kennt und das will ich nicht. Ich möchte, dass man diese Themen solidarisch gemeinsam löst, denn auch dann geht etwas weiter. Wie war das bei dir in Los Angeles? Was hast du dir dort mitgenommen für die Wiener Kunstszene?

PM: Ich habe über ein halbes Jahr dort gearbeitet, gelebt und hatte dort anfangs wenige Bezugspersonen. Habe mir aber in einer rasend schnellen Zeit eine eigene Community aufgebaut. Menschen, die ich interessant fand und kennenlernen wollte, habe ich per Mail angeschrieben und konnte so nachhaltig einige Kontakte schließen und mein Netzwerk erweitern. Was ich mir aus Amerika mitgenommen habe, ist eine gewisse Offenheit an Dinge heranzugehen und auch Mut über Hürden zu springen, die vielleicht anfangs unangenehm scheinen, aber einfach zum Business dazugehören. Ich mache das immer noch, dass ich an Leute herantrete, die ich spannend finde, weil sich sehr oft schöne Synergien ergeben, die meisten schätzen das und nehmen das positiv auf.

PG: Das stimmt, in Österreich wird es als No-Go empfunden, Leute anzuschreiben und du hast dann erzählt, dass das in Amerika Gang und Gebe ist. Zu Beginn des Netzwerken habe ich mir schon überlegt, welche Räume mich interessieren oder welche Personen ich spannend finde. Dann möchte ich gleich zur nächsten Frage kommen. Du hast letztes Jahr einerseits das
Dialog- und Netzwerkformat JOMO – Joy of Missing Out und andererseits C/20 – Verein für internationale kuratorische Praxis gegründet. Wie kam es dazu? Aus welcher Motivation heraus hast du dich für die Gründung dieser Formate entschieden?

PM: JOMO – Joy of Missing Out habe ich gemeinsam mit Christian Bazant-Hegemark und Julia Bugram gegründet. Der gemeinsame Wunsch nach einem regelmäßig stattfindenden Netzwerkprojekt, das inhaltlichen Austausch bezüglich der Herausforderungen der Kunstbranche ermöglicht, war uns dreien ein Anliegen. Der Vernetzungsgedanke zieht sich
durch diverse Projekte von uns: ob bei meinen Präsentationen für das Saloon-Netzwerk, Julias kollaboratives „Raising Hands“-Projekt, oder den von Christian initiierten „MeetupTreffen“, die er (vor dem Corona-Lockdown) wöchentlich in seinem Atelier angeboten hatte – somit waren die Weichen bald gestellt. Als uns dann das Depot 10 Termine vorgeschlagen hat, wurde aus Gedankenspielen Realität. Bie JOMO handelt es sich um ein Gesprächs-, Präsentations- und Netzwerkprojekt. Gemeinsam mit unseren Gästen sprechen wir darüber, was die Kunstwelt definiert, jedoch meist unerwähnt bleibt und unter den Teppich gekehrt wird. Letztes Jahr haben wir von Marketingstrategien, über künstlerische Großprojekte bis hin zu Schreiben über Kunst einiges abgedeckt und natürlich kann man nie genug davon kriegen. Da uns die Entschleunigung auch am Herzen liegt, war von Anfang an klar, dass wir jede Session aufzeichnen wollen, um so einer Nachwelt die Inhalte bereit stellen zu können, ganz nach unserem Motto “Verpasst? Passt!“. Unser nächstes Treffen findet dann am 27.11.2021 live im Künstlerhaus statt und
wird natürlich auch wieder zu jedem*jeder nach Hause gestreamed.

PG: Euer Gesprächsformat hat mich wirklich über die Pandemie gerettet, denn mir fehlte der geistige Austausch und es war einfach großartig sich die Sessions im Nachhinein anhören zu können. Es gibt ja viele Formate, wie Podcasts, aber in der Art, wie ihr es macht, gibt es wirklich nichts Vergleichbares.
Wir haben auch vorher noch zum Thema „Pay the Artist“ gesprochen und leider gibt es immer noch so wenige Menschen, die darüber Bescheid wissen, wie prekär die Situation der Kunstschaffenden eigentlich ist, weil nie darüber geredet wird.

PM: Es sind wichtige Themen, die jedejeden, dieder in der Szene arbeitet, betreffen und dafür eine Plattform zu bieten, sehe ich persönlich als essentiell an. Am Anfang der Karriere hat man noch nicht so viele Einblicke, wie es läuft, was normal ist oder was eben nicht in Ordnung ist, man hinterfragt ja nicht gleich alles. Erst im Laufe der Zeit findet man durch Learning heraus, dass es wichtig ist, zum Beispiel für Texte X und für Moderationen Y zu verlangen.

PG: Ja genau, da sind wir wieder beim Thema Intransparenz in der Brache. Wer bekommt wofür wie viel und warum?

Frage aus Publikum: Sind solche Themen gar nicht Teil der Ausbildung? Also wie man Honorarnoten legt usw., wird das nicht an den Kunstunis gelehrt?

PM: Das kommt sehr stark auf die Klassen und Verantwortlichen an. Mittlerweile sind die Unis recht offen geworden, aber es ist Luft nach oben. Verpflichtende Veranstaltungen sind es jedenfalls nicht.

PG: Ich finde es kommt auch darauf an, wo man studiert. Ich habe bei Gunther Damisch Malerei studiert und habe viel über Technik gelernt, aber wie es läuft, wenn man fertig ist, darüber habe ich nie ein Wort gehört. Es gibt so viele unterschiedliche Themen: Homepage, Sprechen über die Kunst, Präsentation, Selbstvermarktung, Ausstellungen usw. Ich habe erst kürzlich über den Alumni-Club auf der Akademie einen Workshop zu „Schreiben über Kunst“ gemacht. Das geht sich ja im Kunststudium gar nicht aus, weil man die künstlerische Praxis entwickeln muss.

PM: Was ich da interessant finde ist, dass die Akademie über Alumni Weiterbildungskurse zu Kunst-Management Themen anbietet, aber wichtiger fände ich, wenn man da nicht erst als Alumni die Möglichkeit bekommt, sondern, wenn man da früher ansetzt. Aus meiner Sicht müssen die Businessthemen Teil der Ausbildung sein, weil du dich damit tagtäglich beschäftigst und ja im Endeffekt auch von Kunst leben möchtest.

PG: Nach der Ausbildung hat man so viele Felder, die nicht geklärt sind. Teilweise ist man richtig „lost“. Nach der Uni denkt man sich schon, dass jeder auf einen wartet, aber das ist ja nicht der Fall.

Kommentar aus Publikum: Was noch dazukommt ist, dass die Ateliers wegfallen. Oft hat man das ja gar nicht einberechnet und „struggelt“ dann ordentlich.

PM: Ja, das stimmt. Ich kenne einige Künstlerinnen, die sagen, dass sie noch auf der Uni bleiben, weil sie auf die Werkstätten angewiesen sind. Die Strukturen und Kosten sind da als selbstständige Künstlerinnen natürlich ganz andere.

PG: Und zum Thema Kosten, du weißt am Anfang ja nicht gleich, wie du Geld verdienst. Der Best Case ist, dass du während des Studiums von einer Galerie abgeworben wirst, die dir zum Karrieresprung verhilft. Das passiert aber wirklich nur den Wenigsten. Man hat ganz viele Kosten: Atelier, Materialien, Homepage usw. Und die Frage ist dann immer: Wie kommt das Geld rein?

Kommentar aus Publikum: Förderantrage zu schreiben ist ja auch viel Arbeit und ein großer Teil des Künstlerinnen-Daseins.

PM: Genau, und das geht auch nicht immer auf.

Kommentar aus Publikum: Ja eh, aber das sagt einem ja niemand. (lacht)

PM: Ja, voll. Es gibt auch so eine unausgesprochene Regel, dass man bei manchen Förderstellen jahrelang einreichen muss, bis man eigentlich wahrgenommen bzw. berücksichtigt wird. Es ist oft auch sehr willkürlich.

Kommentar aus Publikum: Es gibt diese ungeschriebenen Gesetze, dass man drei Jahre warten muss. Oft reichst du dann drei Jahre lang für die Fische ein, aber musst das machen, dass du auch Beachtung findest. Früher gab es auch die Regel, dass man beim Staatsstipendium sechs Mal einreichen muss, sonst hast du überhaupt keine Chance. Das ist aber auch mit so viel Zeit verbunden, die man ins Nichts verpulvert. Mittlerweile kann man ja online einreichen, aber früher musste man alles physisch vorbeibringen und wie viel Geld ich da für Föderanträge in Copyshops gelassen habe, ist ein Wahnsinn! PG: Es spricht da auch niemand offen darüber, dass du für Förderanträge und Open Call ca. 80% Absagen bekommst. Das ist frustrierend. Wenn du aber weißt, dass es nicht nur dir so geht, sondern, dass das normal ist, sieht die Welt ja gleich anders aus. Über das Scheitern zu reden, das Aushalten und Durchhalten ist finde ich da ganz wichtig. Die große Frage ist da: Wie geht man damit um? Dass es da keine Formate gibt, wo man das bespricht, ist absurd. PM: Warum es da kein „How-To“ gibt, wundert mich etwas. Was auch auf unserem Plan für JOMO steht ist, jemanden von den Förderstellen bezüglich Förderanträge, wie mache ich das richtig, welche Fehler kann ich vermeiden, Struktur, Formales usw. zu interviewen und da Unterstützung zu bieten.

PG: Im Depot gab es das auch schon von der IG Bildenden Kunst veranstaltet, aber leider war das nicht greifbar. Ich sehe das eher als geheim und intransparent an.

Frage aus dem Publikum: In der Kunstschule haben wir ein Fach, das heißt „Berufsbild Künstlerin“. Da werden Künstler*innen eingeladen und die Standardfrage ist immer: Wie sind Sie mit dem Loch nach dem Studium umgegangen? Bei dir konkret, wie hat sich das bei dir entwickelt?

PG: Im Nachhinein ist man gescheiter als im Vorhinein. Bei mir war das anders, da ich nicht wusste, wie man mit Kunst Geld verdient, deswegen habe ich Lehramt studiert. Ich wollte nicht von irgendjemanden abhängig sein, studierte mal Lehramt und hab mir dann so mein Diplomstudium finanziert. Ich war immer am Unterrichten, hab das Diplomstudium fertig gemacht und während des Studiums habe ich Menschen kennengelernt, mit denen ich dann zusammengearbeitet habe. Als diese Zeit dann für mich vorbei war, wurde ich erneut vor diese Frage gestellt: Wie lerne ich Menschen kennen, die für meine Arbeit und den weiteren Weg wichtig sind? Ich find das gar nicht leicht. Heute ist das ja wieder einfacher, da es die Netzwerkstrukturen gibt, die sind etabliert und man schreibt eher eine Organisation an als einzelne Personen.

Frage aus Publikum: Könntest du vielleicht einen konkreten Tipp geben? Würdest du sagen, den Mut zu fassen und das direkte Ansprechen bzw. Anschreiben weiter zu forcieren?

PG: Absolut. Man soll direkt sein, sich überlegen, was man will und mit wem man etwas machen möchte. Diejenigen, die damit was anfangen können, schreiben zurück. Ich find man muss es probieren. Ich versuche halt Wege und Menschen zu finden, die on „the same page“ sind und das cool finden, was ich mache. Je früher man das macht, desto besser.

Kommentar aus Publikum: Bezüglich Tipp habe ich dann nach dem Studium begonnen einfach selbst Projekte umzusetzen, Ausstellungen zu organisieren. Das war vor 15 Jahren noch sehr ungewöhnlich, dass Künstlerinnen sich kuratorisch betätigen. Ich find das aber immer noch besser als zu warten.

PG: Ja genau, und da muss man sich dann auch wieder überlegen, ob ich man das allein machen möchte oder ob man Kooperationen anstrebt. Ich bin der Meinung, dass Kollaborationen wichtig sind, das befruchtet und gibt neue Synergien.

PM: Was ich auf jeden Fall noch auf den Weg geben kann ist, den Mut zu fassen etwas selbst in die Hand zu nehmen, engagiert zu sein und motiviert zu sein. Ich habe die Erfahrungen gemacht, je offener man in der Welt zugegen ist, desto tollere Dinge kommen auf einen zugeflogen. Was man gibt, bekommt man auch oft zurück und damit möchte ich das Gespräch jetzt schließen. Vielen Dank für die vielen Einblicke und das Gespräch, liebe Petra!

PG: Vielen Dank dir für deine spannenden Fragen und, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich find es super, was du machst mit deiner Euphorie, deinem Elan und sehe Art Management als wichtigen Teil der Kunstwelt an. Das steckt an und motiviert auch einen selbst.

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