STUDIO VISIT CHRIS KROISS

Chris Kroiss farbenstarke und vielschichtige Arbeiten machen neugierig auf mehr. 👀 Ihre abstrakten, expressionistischen Malereien erzĂ€hlen unterschiedliche Geschichten und betrachten zum Beispiel FingernĂ€gel unter einem feministischen Ansatz. Das FigĂŒrliche findet sich zum Beispiel in den vielen PortrĂ€ts wieder, die fantasievoll zusammengesetzt wurden, Mischwesen oder Außerirdische darstellen und beim Betrachtenden ein out-of-the-box-Denken forcieren.

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Artist Talk mit Petra Gell

Bei der diesjĂ€hrigen Vienna Design Week war die KĂŒnstlerin Petra Gell (PG) mit ihrer Rauminstallation BOOST in der Festivalzentrale am Sachsenplatz prĂ€sent und hat in diesem Rahmen GesprĂ€che mit Akteurinnen der Kulturproduktion gefĂŒhrt.
Mit der Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin Paula Marschalek (PM) wurde ĂŒber die kĂŒnstlerische Arbeit, die interdisziplinĂ€re Praxis gesprochen genauso wie ĂŒber in der Kunstbranche essentielle Themen, wie beispielsweise Netzwerken, Kooperationen und Sichtbarkeit. Hier ein Einblick in das GesprĂ€ch.

VIENNA DESIGN WEEK/Kollektiv Fischka/Stefanie Freynschlag

PM: Liebe Petra, könntest du uns ein bisschen ĂŒber deine Rauminstallation BOOST hier im Rahmen der VDW erzĂ€hlen? Was möchtest du hier erreichen? Was bedeutet BOOST in diesem Kontext?

PG: Ich bin Malerin und der Ausgangspunkt meiner Projekte ist der Raum, d.h. den Raum, den ich zur VerfĂŒgung habe. Bei diesem spezifischen Raum hier, den ich von der VDW angeboten bekommen habe, war klar, dass ich eine raumspezifische Installation machen werde. Die EntwĂŒrfe habe ich im Atelier angefertigt und mit diesen bin ich dann hierhergekommen und habe das Setting aufgebaut. Der Raum ist als Malerei konzipiert. Ich fand das Spiel zwischen Zwei- und DreidimensionalitĂ€t interessant: Einerseits sieht man Collagen und die klassische Malerei auf Leinwand und andererseits wurde der Raum selbst
als BildtrĂ€ger verwendet, um eine Intervention im Raum zu machen. Die Wand, der Boden, alle FlĂ€chen wurden verwendet, um ein malerisches Endprodukt zu gestalten und mit dem Raum zu arbeiten. Die GegenstĂ€nde, die ich hier verwendet habe, sind eigentlich meine Werkzeuge, die Tools, die zu dieser Komposition fĂŒhren. Je nach OberflĂ€che, Farbigkeit oder Form kam es dann zu diesem Setting. Was ich spannend finde ist, wie Betrachter*innen mit dem zu begehenden Werk umgehen. Schnell tauchen Fragen auf wie, „Darf ich da ĂŒberhaupt draufsteigen?“, „Steht mir dieser Gegenstand im Weg?“ und oft wurde ich gefragt, warum die VorhĂ€nge um die Fenster drapiert sind und man diesen Ausblick sieht. Diese Irritation find ich spannend und es hat tatsĂ€chlich keinen konkreten Nutzen, sondern um sich aufzuladen und um Fragen aufzugreifen, die einen interessieren.

PM: Aus meiner Sicht arbeitest du von der Malerei ausgehend in den Raum sowie mit dem RĂ€umlichen und wirfst Fragen zu eben diesen Themen auf.

PG: Genau, das ist der zweite Aspekt. Ich verstehe Architektur so, dass ich den Raum sozial auffasse und GesprĂ€che fĂŒhre.

PM: Die VerschrĂ€nkungen unterschiedlicher Bereiche und gerade das interdisziplinĂ€re Arbeiten verbindet unsere Herangehensweise. NatĂŒrlich Ă€ußert sich das bei dir als KĂŒnstlerin anders als bei mir als Kunsthistorikerin bzw. Kulturmanagerin. Ich wĂŒrde sehr gerne tiefer in dieses Thema eintauchen. Könntest du uns erzĂ€hlen, welche Bedeutung Kunst, Design und Architektur fĂŒr dich in deiner kĂŒnstlerischen Praxis hat?

PG: Beim letzten Talk mit der Architektin Andrea Graser wurde ich gefragt, ob bei meinen Werken auch der Mensch vorkommt, ob der Mensch Maßstab oder Ausgangspunkt ist. FĂŒr mich ist das ja logisch, aber das ist natĂŒrlich auch eine subjektive Wahrnehmung bezĂŒglich gesellschaftspolitischen Fragen, die ich von mir ausgehend so beleuchten möchte und
versuche ĂŒber die bildende Kunst zu klĂ€ren. Architektur begleitet mich permanent, sei es das Haus, in dem ich wohne oder der Ort, an dem ich lebe in der Stadt, in der ich mich bewege. Das sind alles EindrĂŒcke, die ich aufgreife und tatsĂ€chlich sehe ich das sehr linear und geometrisch. Ich liebe zum Beispiel New York, allein wegen der HochhĂ€user, das triggert mich total.
Der Unterschied von Kunst zu Design ist, dass man in der Kunst kein konkretes Endprodukt hat. Im Design ist es so, dass man ein bestimmtes Endprodukt hat, das nutzbar ist. In der Kunst werden zwar Àhnliche Fragen aufgegriffen, aber es bleibt meistens offener und es gibt keine wirkliche Endlösung.
Ich habe bisher sehr schönes Feedback und tolle Reaktionen auf die hier gezeigte Arbeit bekommen und die wenigsten haben sich gefragt, warum ich als bildende KĂŒnstlerin auf der Vienna Design Week bin. Sie haben mein Konzept und meinen Ansatz auch gleich verstanden.

PM: Du hast ja vorher selbst gesagt, dass deine Arbeiten vormaltheoretisch als Malereien konzipiert sind und der Raum als BildtrĂ€ger fungiert. Könntest du dieses Thema nĂ€her ausfĂŒhren?

PG: Der Start ist immer die Linie, egal mit welchem Projekt ich beginne, die Linie ist das allererste, was da ist. Meistens mit Bleistift, kann aber dann im Raum auch so aussehen (deutet auf Schwimmnudel). Diese GegenstĂ€nde befinden sich im Atelier und ich fange dann damit an herumzubauen und zu konzipieren. Am Papier funktioniert das anders als im Raum. Wenn ich den Entwurf mache – und ich mache den analog, kein Rendering wie die Architekten – dann funktioniert die tatsĂ€chliche Umsetzung etwas anders. Ich habe hier schon geschaut, wie es sich ausgeht und ob ich dann vor Ort noch etwas verĂ€ndern muss. Die Grundidee kommt also von der Malerei. Bei dieser Box hier (deutet auf Glaskubus), habe ich ĂŒberlegt, ob es im Rahmen der VDW ein Objekt braucht, dass eine bestimmte Funktion hat und bin dann auf den Entschluss gekommen, dass es das nicht braucht.

PM: Der Raum BOOST ist auch als Auflade-Ort gedacht. Wo kannst du dich denn aufladen? Was gibt dir Kraft?

PG: Auf jeden Fall kann ich mich in meinem Zuhause aufladen. Ich wohne in Kritzendorf an der Donau, in einem Stelzenhaus. Ich liebe diese Gegend und die Donau, in der ich regelmĂ€ĂŸig am Schwimmen bin. Das ist ein wichtiger Ort zum Aufladen. Beim Sport kann ich mich Aufladen. Ich mache Ballett, das hat auch etwas sehr Geometrisches und Lineares. Beim Laufen kann ich mich auch gut runterholen. Last but not least, StĂ€dte und damit verbunden Reisen, das finde ich wichtig und empfinde ich als inspirierend. Wo kannst du dich denn aufladen?

PM: NatĂŒrlich durch Kunst. Der Austausch mit KĂŒnstlerinnen und Kulturschaffenden gibt mir Kraft und Energie. In meinem Zuhause kann ich mich gut aufladen, das ist mein Safe Space und gerade in Zeiten der Lockdowns war es mir wichtig nach Hause zu kommen, sich wohlzufĂŒhlen und von Dingen umgeben zu sein, die man schĂ€tzt. Ich war in meiner Jugend Leistungsschwimmerin und das Schwimmen ist fĂŒr mich immer noch etwas, das mich runterholt und wo ich abschalten kann. Welche Bedeutung haben fĂŒr dich Frauennetzwerke in der Kunst und Kultur?

PG: Ich habe sehr lange in einem KĂŒnstlerinnenkollektiv gearbeitet und als ich mich entschied, mich davon wegzubewegen und wieder bei meinen Themen anzukommen, war es tatsĂ€chlich so, dass ich mich gefragt habe, wie funktioniert denn Netzwerken? Ich musste das lernen. Ich fands ein bisschen peinlich, dass ich da nicht so viel Durchblick hatte. Ich habe dann eine KĂŒnstlerin angeschrieben, die mir imponiert hat und habe sie um Input und UnterstĂŒtzung gebeten. Sie hat mir dann gesagt, ich soll doch zu einem Treffen im Angewandte Innovation Lab kommen, wo dann der Saloon Wien vorgestellt wurde. Dabei handelt es um ein internationales Frauennetzwerk, das in Berlin gegrĂŒndet wurde und mittlerweile gibt es an zehn verschiedenen Orten einen Zusammenschluss von Kuratorinnen, KĂŒnstlerinnen und Galeristinnen. Das fand ich super, dass man sich zu verschiedenen Themen austauschen kann und Institutionen anschaut und so weiter. Vor COVID-19 gab es dann die Möglichkeit an einem Austauschprogramm teilzunehmen und ich war in Berlin und Hamburg. In Berlin habe ich eine KĂŒnstlerin aus Wien kennengelernt, mit der ich mich eng vernetzte und gemeinsam haben wir eine Art Coaching-Format in sehr kleinem Kreis gegrĂŒndet, wo wir uns alle zwei Wochen ĂŒber unterschiedliche Themen austauschten, wie zum Beispiel Homepage, Schreiben ĂŒber Kunst, etc. Dieses RĂŒckkoppeln mit Gleichgesinnten ist mir persönlich total wichtig.

PM: Das sehe ich auch so. Mittlerweile gibt es einfach wahnsinnig viele Netzwerke: von Female Founders, die sich mit Start-Ups beschĂ€ftigen, ĂŒber die FrauendomĂ€ne, die Expertise und Vernetzungen anbieten. Ich bin auch ein Mitglied im Saloon und da finde ich die InternationalitĂ€t spannend, sich ĂŒber die nationalen Grenzen hinweg zu vernetzen. Wenn man sich zusammenschließt, passiert einfach mehr, als wenn man allein kĂ€mpft, gerade bei so eine Branche wie in der Kunst und Kultur.

PG: Dieses Austauschen, wo kriegt man Informationen her. Wo gibt es Open Calls? Wie kommst du zu einer Förderung? In Wien ist leider das Ellbogen-System stark vertreten. Man gibt erst Informationen weiter, wenn man sich ĂŒber 10 Jahre kennt und das will ich nicht. Ich möchte, dass man diese Themen solidarisch gemeinsam löst, denn auch dann geht etwas weiter. Wie war das bei dir in Los Angeles? Was hast du dir dort mitgenommen fĂŒr die Wiener Kunstszene?

PM: Ich habe ĂŒber ein halbes Jahr dort gearbeitet, gelebt und hatte dort anfangs wenige Bezugspersonen. Habe mir aber in einer rasend schnellen Zeit eine eigene Community aufgebaut. Menschen, die ich interessant fand und kennenlernen wollte, habe ich per Mail angeschrieben und konnte so nachhaltig einige Kontakte schließen und mein Netzwerk erweitern. Was ich mir aus Amerika mitgenommen habe, ist eine gewisse Offenheit an Dinge heranzugehen und auch Mut ĂŒber HĂŒrden zu springen, die vielleicht anfangs unangenehm scheinen, aber einfach zum Business dazugehören. Ich mache das immer noch, dass ich an Leute herantrete, die ich spannend finde, weil sich sehr oft schöne Synergien ergeben, die meisten schĂ€tzen das und nehmen das positiv auf.

PG: Das stimmt, in Österreich wird es als No-Go empfunden, Leute anzuschreiben und du hast dann erzĂ€hlt, dass das in Amerika Gang und Gebe ist. Zu Beginn des Netzwerken habe ich mir schon ĂŒberlegt, welche RĂ€ume mich interessieren oder welche Personen ich spannend finde. Dann möchte ich gleich zur nĂ€chsten Frage kommen. Du hast letztes Jahr einerseits das
Dialog- und Netzwerkformat JOMO – Joy of Missing Out und andererseits C/20 – Verein fĂŒr internationale kuratorische Praxis gegrĂŒndet. Wie kam es dazu? Aus welcher Motivation heraus hast du dich fĂŒr die GrĂŒndung dieser Formate entschieden?

PM: JOMO – Joy of Missing Out habe ich gemeinsam mit Christian Bazant-Hegemark und Julia Bugram gegrĂŒndet. Der gemeinsame Wunsch nach einem regelmĂ€ĂŸig stattfindenden Netzwerkprojekt, das inhaltlichen Austausch bezĂŒglich der Herausforderungen der Kunstbranche ermöglicht, war uns dreien ein Anliegen. Der Vernetzungsgedanke zieht sich
durch diverse Projekte von uns: ob bei meinen PrĂ€sentationen fĂŒr das Saloon-Netzwerk, Julias kollaboratives „Raising Hands“-Projekt, oder den von Christian initiierten „MeetupTreffen“, die er (vor dem Corona-Lockdown) wöchentlich in seinem Atelier angeboten hatte – somit waren die Weichen bald gestellt. Als uns dann das Depot 10 Termine vorgeschlagen hat, wurde aus Gedankenspielen RealitĂ€t. Bie JOMO handelt es sich um ein GesprĂ€chs-, PrĂ€sentations- und Netzwerkprojekt. Gemeinsam mit unseren GĂ€sten sprechen wir darĂŒber, was die Kunstwelt definiert, jedoch meist unerwĂ€hnt bleibt und unter den Teppich gekehrt wird. Letztes Jahr haben wir von Marketingstrategien, ĂŒber kĂŒnstlerische Großprojekte bis hin zu Schreiben ĂŒber Kunst einiges abgedeckt und natĂŒrlich kann man nie genug davon kriegen. Da uns die Entschleunigung auch am Herzen liegt, war von Anfang an klar, dass wir jede Session aufzeichnen wollen, um so einer Nachwelt die Inhalte bereit stellen zu können, ganz nach unserem Motto “Verpasst? Passt!“. Unser nĂ€chstes Treffen findet dann am 27.11.2021 live im KĂŒnstlerhaus statt und
wird natĂŒrlich auch wieder zu jedem*jeder nach Hause gestreamed.

PG: Euer GesprĂ€chsformat hat mich wirklich ĂŒber die Pandemie gerettet, denn mir fehlte der geistige Austausch und es war einfach großartig sich die Sessions im Nachhinein anhören zu können. Es gibt ja viele Formate, wie Podcasts, aber in der Art, wie ihr es macht, gibt es wirklich nichts Vergleichbares.
Wir haben auch vorher noch zum Thema „Pay the Artist“ gesprochen und leider gibt es immer noch so wenige Menschen, die darĂŒber Bescheid wissen, wie prekĂ€r die Situation der Kunstschaffenden eigentlich ist, weil nie darĂŒber geredet wird.

PM: Es sind wichtige Themen, die jedejeden, dieder in der Szene arbeitet, betreffen und dafĂŒr eine Plattform zu bieten, sehe ich persönlich als essentiell an. Am Anfang der Karriere hat man noch nicht so viele Einblicke, wie es lĂ€uft, was normal ist oder was eben nicht in Ordnung ist, man hinterfragt ja nicht gleich alles. Erst im Laufe der Zeit findet man durch Learning heraus, dass es wichtig ist, zum Beispiel fĂŒr Texte X und fĂŒr Moderationen Y zu verlangen.

PG: Ja genau, da sind wir wieder beim Thema Intransparenz in der Brache. Wer bekommt wofĂŒr wie viel und warum?

Frage aus Publikum: Sind solche Themen gar nicht Teil der Ausbildung? Also wie man Honorarnoten legt usw., wird das nicht an den Kunstunis gelehrt?

PM: Das kommt sehr stark auf die Klassen und Verantwortlichen an. Mittlerweile sind die Unis recht offen geworden, aber es ist Luft nach oben. Verpflichtende Veranstaltungen sind es jedenfalls nicht.

PG: Ich finde es kommt auch darauf an, wo man studiert. Ich habe bei Gunther Damisch Malerei studiert und habe viel ĂŒber Technik gelernt, aber wie es lĂ€uft, wenn man fertig ist, darĂŒber habe ich nie ein Wort gehört. Es gibt so viele unterschiedliche Themen: Homepage, Sprechen ĂŒber die Kunst, PrĂ€sentation, Selbstvermarktung, Ausstellungen usw. Ich habe erst kĂŒrzlich ĂŒber den Alumni-Club auf der Akademie einen Workshop zu „Schreiben ĂŒber Kunst“ gemacht. Das geht sich ja im Kunststudium gar nicht aus, weil man die kĂŒnstlerische Praxis entwickeln muss.

PM: Was ich da interessant finde ist, dass die Akademie ĂŒber Alumni Weiterbildungskurse zu Kunst-Management Themen anbietet, aber wichtiger fĂ€nde ich, wenn man da nicht erst als Alumni die Möglichkeit bekommt, sondern, wenn man da frĂŒher ansetzt. Aus meiner Sicht mĂŒssen die Businessthemen Teil der Ausbildung sein, weil du dich damit tagtĂ€glich beschĂ€ftigst und ja im Endeffekt auch von Kunst leben möchtest.

PG: Nach der Ausbildung hat man so viele Felder, die nicht geklĂ€rt sind. Teilweise ist man richtig „lost“. Nach der Uni denkt man sich schon, dass jeder auf einen wartet, aber das ist ja nicht der Fall.

Kommentar aus Publikum: Was noch dazukommt ist, dass die Ateliers wegfallen. Oft hat man das ja gar nicht einberechnet und „struggelt“ dann ordentlich.

PM: Ja, das stimmt. Ich kenne einige KĂŒnstlerinnen, die sagen, dass sie noch auf der Uni bleiben, weil sie auf die WerkstĂ€tten angewiesen sind. Die Strukturen und Kosten sind da als selbststĂ€ndige KĂŒnstlerinnen natĂŒrlich ganz andere.

PG: Und zum Thema Kosten, du weißt am Anfang ja nicht gleich, wie du Geld verdienst. Der Best Case ist, dass du wĂ€hrend des Studiums von einer Galerie abgeworben wirst, die dir zum Karrieresprung verhilft. Das passiert aber wirklich nur den Wenigsten. Man hat ganz viele Kosten: Atelier, Materialien, Homepage usw. Und die Frage ist dann immer: Wie kommt das Geld rein?

Kommentar aus Publikum: Förderantrage zu schreiben ist ja auch viel Arbeit und ein großer Teil des KĂŒnstlerinnen-Daseins.

PM: Genau, und das geht auch nicht immer auf.

Kommentar aus Publikum: Ja eh, aber das sagt einem ja niemand. (lacht)

PM: Ja, voll. Es gibt auch so eine unausgesprochene Regel, dass man bei manchen Förderstellen jahrelang einreichen muss, bis man eigentlich wahrgenommen bzw. berĂŒcksichtigt wird. Es ist oft auch sehr willkĂŒrlich.

Kommentar aus Publikum: Es gibt diese ungeschriebenen Gesetze, dass man drei Jahre warten muss. Oft reichst du dann drei Jahre lang fĂŒr die Fische ein, aber musst das machen, dass du auch Beachtung findest. FrĂŒher gab es auch die Regel, dass man beim Staatsstipendium sechs Mal einreichen muss, sonst hast du ĂŒberhaupt keine Chance. Das ist aber auch mit so viel Zeit verbunden, die man ins Nichts verpulvert. Mittlerweile kann man ja online einreichen, aber frĂŒher musste man alles physisch vorbeibringen und wie viel Geld ich da fĂŒr FöderantrĂ€ge in Copyshops gelassen habe, ist ein Wahnsinn! PG: Es spricht da auch niemand offen darĂŒber, dass du fĂŒr FörderantrĂ€ge und Open Call ca. 80% Absagen bekommst. Das ist frustrierend. Wenn du aber weißt, dass es nicht nur dir so geht, sondern, dass das normal ist, sieht die Welt ja gleich anders aus. Über das Scheitern zu reden, das Aushalten und Durchhalten ist finde ich da ganz wichtig. Die große Frage ist da: Wie geht man damit um? Dass es da keine Formate gibt, wo man das bespricht, ist absurd. PM: Warum es da kein „How-To“ gibt, wundert mich etwas. Was auch auf unserem Plan fĂŒr JOMO steht ist, jemanden von den Förderstellen bezĂŒglich FörderantrĂ€ge, wie mache ich das richtig, welche Fehler kann ich vermeiden, Struktur, Formales usw. zu interviewen und da UnterstĂŒtzung zu bieten.

PG: Im Depot gab es das auch schon von der IG Bildenden Kunst veranstaltet, aber leider war das nicht greifbar. Ich sehe das eher als geheim und intransparent an.

Frage aus dem Publikum: In der Kunstschule haben wir ein Fach, das heißt „Berufsbild KĂŒnstlerin“. Da werden KĂŒnstler*innen eingeladen und die Standardfrage ist immer: Wie sind Sie mit dem Loch nach dem Studium umgegangen? Bei dir konkret, wie hat sich das bei dir entwickelt?

PG: Im Nachhinein ist man gescheiter als im Vorhinein. Bei mir war das anders, da ich nicht wusste, wie man mit Kunst Geld verdient, deswegen habe ich Lehramt studiert. Ich wollte nicht von irgendjemanden abhĂ€ngig sein, studierte mal Lehramt und hab mir dann so mein Diplomstudium finanziert. Ich war immer am Unterrichten, hab das Diplomstudium fertig gemacht und wĂ€hrend des Studiums habe ich Menschen kennengelernt, mit denen ich dann zusammengearbeitet habe. Als diese Zeit dann fĂŒr mich vorbei war, wurde ich erneut vor diese Frage gestellt: Wie lerne ich Menschen kennen, die fĂŒr meine Arbeit und den weiteren Weg wichtig sind? Ich find das gar nicht leicht. Heute ist das ja wieder einfacher, da es die Netzwerkstrukturen gibt, die sind etabliert und man schreibt eher eine Organisation an als einzelne Personen.

Frage aus Publikum: Könntest du vielleicht einen konkreten Tipp geben? WĂŒrdest du sagen, den Mut zu fassen und das direkte Ansprechen bzw. Anschreiben weiter zu forcieren?

PG: Absolut. Man soll direkt sein, sich ĂŒberlegen, was man will und mit wem man etwas machen möchte. Diejenigen, die damit was anfangen können, schreiben zurĂŒck. Ich find man muss es probieren. Ich versuche halt Wege und Menschen zu finden, die on „the same page“ sind und das cool finden, was ich mache. Je frĂŒher man das macht, desto besser.

Kommentar aus Publikum: BezĂŒglich Tipp habe ich dann nach dem Studium begonnen einfach selbst Projekte umzusetzen, Ausstellungen zu organisieren. Das war vor 15 Jahren noch sehr ungewöhnlich, dass KĂŒnstlerinnen sich kuratorisch betĂ€tigen. Ich find das aber immer noch besser als zu warten.

PG: Ja genau, und da muss man sich dann auch wieder ĂŒberlegen, ob ich man das allein machen möchte oder ob man Kooperationen anstrebt. Ich bin der Meinung, dass Kollaborationen wichtig sind, das befruchtet und gibt neue Synergien.

PM: Was ich auf jeden Fall noch auf den Weg geben kann ist, den Mut zu fassen etwas selbst in die Hand zu nehmen, engagiert zu sein und motiviert zu sein. Ich habe die Erfahrungen gemacht, je offener man in der Welt zugegen ist, desto tollere Dinge kommen auf einen zugeflogen. Was man gibt, bekommt man auch oft zurĂŒck und damit möchte ich das GesprĂ€ch jetzt schließen. Vielen Dank fĂŒr die vielen Einblicke und das GesprĂ€ch, liebe Petra!

PG: Vielen Dank dir fĂŒr deine spannenden Fragen und, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich find es super, was du machst mit deiner Euphorie, deinem Elan und sehe Art Management als wichtigen Teil der Kunstwelt an. Das steckt an und motiviert auch einen selbst.

Screening SLOW WAVE II. Bridging time windows

SLOW WAVE presents open artistic interstitial encounters, reflecting on our current ways of production approaching climate on a broad sense and the post-pandemic era. It relates to nature on its open wide and to our physical and virtual environments where we transit, leave traces and co-exist. It poses also questions about how to get together and if may our interactions be seeds for something new. This artistic format takes over the physical and virtual spaces of the IntAkt gallery in WUK expanding from its interior to the outside. Slow Wave unfolds for its launch a collection of artistic positions within video contributions in a collective format. The program on its conception is open for a plurality of artistic genres and futures, fostering gender equality. The idea and concept of the screening is by Juliana Herrero.

SLOW WAVE II, Part 1

Sandra Fockenberger, WATER-COLOUR (2013)
Sissa Micheli, SINGING FLAGS / SOUNDS OF CLIMATE (2019/2020)
Jessie Pitt, REMEMBER WHEN (2019) / SLOW TIME (2019)
Karin Maria Pfeifer, KARRIERESPRUNG (2011)
Silvina Pietragalli, SECRETOS DE FAMILIA FAMILY SECRETS (2019)
Elisabeth Maria (SI. SI.) Klocker, LICHT AM ENDE DES TUNNELS (A 2020)

SLOW WAVE II, Part 2

Stella Bach, FAHNENMEER (2021)
Ana Montecucco, FREE SOLUTIONS LOCKDOWN EDITION (2021)
Veronika Burger, LOOKS LIKE SHE IS PINK (2021)
Ana Benedetti, TIEMPO MEMORIA HUELLA (2017)
Claudia Sandoval Romero, KINSHIP (2021)
Korinna Lindinger, Ana Haber, Julia Rosenberg, FEDERVIEH (2012)
Juliana Herrero, CHIRPINGS FOR FUGA 21 (2021)

SLOW WAVE II, Part 3

Adriana Carambia, CUANDO LOS OJOS MIRAN LA OSCURIDAD (2021)
Lisa Est, SIE (2014)
Carolina Boettner, MOVIMIENTO 01 (2021)
Alicia de la Iglesia (Piky), ATMOSFERA ENRARECIDA: CORDOBAZO (2020)
Romana Egartner, Niclas Anatol, STÄDTE VON HEUTE_RUINEN VON MORGEN (2020)
Linda Bergstötter, DING (2020)
Ilse Chlan, THE FIND (2016/2020) / WALDSTÜCK (2004/2007)

SLOW WAVE II, Part 4

Anke Armandi, SMART CITY (4) (2020)
Sabina Tiemroth, HABITANDO (LO EXTRANJERO) (2018) / TAKEN HOUSE (2020)
Lym Moreno, UN DIA (2021)
Malena Martinez Cabrera, ARCANO (2017) / LUCHA POR LA MADRE TIERRA (2019)
Anja Zorh, DAMENSPENDE (2021)
Flavia Bigi, DEEP / PANTA REI (2004-2007)
Rosario Arostegui, Misael SĂĄmano Vargas, Mariela Limerutti, BEYOND (2020)

Contact
WUK, IntAkt Galerie
WĂ€hringer Straße 59, Staircase II, 3rd floor, A-1090 Wien
www.intakt-kuenstlerinnen.com

#kunsttrotzcorona

Well, it is honestly hard to come up with any other keywords than corona, quarantine or lockdown this last week, so we try to bring you some positive vibes and show you interesting ways to get a little art, culture and education while you’re confined to your home.
We’ve got you covered for the next weeks! 

Culture Cure

Enjoy opera and ballet live @home 

Artsy reading for rainy and sunny days

Online Collections in Austria

KHM
Albertina
MAK
Belvedere
Mumok shows new acquisitions online
Technisches Museum

Digital Museums and Virtual Tours at home and abroad

International exhibitions come to life in your own living room

Schirn Kunsthalle Frankfurt
StÀdel Museum
Kunsthaus ZĂŒrich Olafur Eliasson

The most exciting contemporary art forms, from painting to theater, and architecture to video games.

ZDF | arte

Hashtags in times of COVID-19

#kunsttrotzcorona, #kunstinzeitenvoncorona, #culturecure, #digitalmuseum, #closedbutactive, #digitalcurating, #supportyourlocalartists, #staysafe, #stayathome, #staystrong

Stay strong, motivated and support each other in the art scene!

https://www.instagram.com/p/B9zgXkunkIe/

https://www.instagram.com/p/B4CJty7AU86/

Studio Visit Hubert Schmalix

In an informal atmosphere, the artist gave private insights into his studio and spoke about his work, his passion for collecting and life in the “City of Angels”.

Read more about the studio visit here.

Artfair madness in Los Angeles

Showcasing today’s most significant contemporary galleries and artists

Frieze Los Angeles, Paramount Picture Studios
February, 13 – 16, 2020

Frieze is a media and events company that comprises three publications, frieze magazine, Frieze Masters Magazine and Frieze Week; and four international art fairs, Frieze London, Frieze LA, Frieze New York and Frieze Masters.

1: Gallery Casey Kaplan with Jordan Casteel, Jonathan Gardner and Matthew Ronay 2: Galerie Eva Presenhuber with Ugo Rondinone 3: König Galerie with Alicija Kwade and Gregor Hildebrandt 4: Gallery OMR

Intimate fair experience

FELIX Art Fair, The Hollywood Roosevelt
February, 13 – 16, 2020

The fair’s mission is to create an intimate experience that prioritizes connoisseurship, collaboration, and community.  The informal setting allows for more extended conversations among collectors, dealers, and artists alike. 

1: Installation view 2: The Hollywood Roosevelt 3, 4, 5, 6: Booth Views 7: View of the art fair

Artist run art fair

Spring/Break Art Fair, Skylight ROW DTLA
February, 14 – 16, 2020

SPRING/BREAK Art Show is an internationally recognized exhibition platform using underused, atypical exhibition spaces to activate and challenge the traditional cultural landscape of the art market. All artworks in the show are displayed and available for purchase online, giving artists unknown, emerging, mid-career, and beyond a virtual compliment to their tactile exhibition. 

Coporeal Hysterial Excess (on mass hysteria III), curated by Johanna Braun for Tiger Strikes Asteroid LA This show brings together a group of diverse artists that create an overflowing mulimedial baroquely installation recflecting on the productivity and limitations of today’s “hysterical discourse”. 1: Installation view: Johanna Braun, “Coporeal Hysterical Excess (on mass hysteria III)”, 2020, Michael Niemetz, “Welcome to Camp Mercury Lake”, 2020 and Chris Ulivo 2: Kari Reardon, “The Source”, 2019 3: Gottfried Haider, “Box with the sie of its own making”, 2019 4: Cindy Rehm, “Witch in the chamber 6”, 2019, Detail 5: Booth view 6: Installation view with Liz Nurenberg, “Courting Chair”, 2015. 7: View of the art fair