Am 06.12. eröffnete die Gruppenausstellung im Kunstsalon des Ateliers Paul Landerl. Gezeigt wurden Arbeiten der Künstler*innen Petra Forman, Ina Loitzl, Tanja Prušnik und Johann Freilacher. Der Kunstsalon wurde für diese Ausstellung bewusst gewählt, denn er fungiert nicht nur als Ort der Präsentation, sondern auch als Raum des Austauschs und der Begegnung. Ein Ort, an dem Künstler*innen und Interessierte zusammenkommen, um künstlerische Visionen, gesellschaftliche Themen und neue Perspektiven zu diskutieren. So entsteht ein inspirierender Raum, erfüllt von Kreativität und lebhaftem Dialog.

Paula Marschalek eröffnete den Abend mit einer Rede, in der sie die vier Künstler*innen, deren Arbeiten und künstlerischen Schaffensprozess vorstellte.

Petra Forman — präsentiert eine Dualität in ihrem künstlerischen Schaffen: Auf der einen Seite steht eine eindrucksvolle Sammlung von Frauenporträts, die durch ihre emotionale Tiefe auffallen, auf der anderen Seite finden sich abstrakte, expressive Malereien, die durch ihre Dynamik und Farbgebung beeindrucken. Ihre Figuren sind oft abgewandt oder seitlich im Profil dargestellt. Eine Perspektive, die den Fokus auf die Zerbrechlichkeit lenkt, die sich in subtilen Gesichtszügen, der Haltung oder der Körpersprache offenbart. Zugleich strahlen die Figuren eine gewisse Stärke aus. Die Position jener symbolisiert zudem ein Spannungsverhältnis zwischen Nähe und Distanz, zwischen Offenbarung und Geheimnis. Mit ihrer Kunst strebt Petra Forman danach, die tiefsten Schichten unserer Identität und Verwundbarkeit freizulegen. Dabei wird das Portrait zu einem Spiegel, in dem die Betrachtenden nicht nur die dargestellte Figur, sondern auch Aspekte der eigenen Persönlichkeit erkennen können. Die abstrakten, expressiven Malereien stehen in bewusstem Kontrast zu den figurativen Werken. Sie sind von einer kraftvollen, emotionalen Sprache geprägt, in der Farben, Formen und Texturen aufeinandertreffen.




Ina Loitzl — widmet sich in ihrer künstlerischen Praxis sozial-gesellschaftlichen Problemen sowie feministischen Themen und bricht humorvoll längst existierende Klischees sowie Tabus auf, insbesondere im Zusammenhang mit dem weiblichen Körper und der Position der Frau in der Gesellschaft. Künstlerisch arbeitet sie vorwiegend mit Video, Textil und Scherenschnitten, wobei auch die Auseinandersetzung mit dem Raum eine große Rolle spielt. Hier im Kunstsalon zeigt sie eine große Bandbreite an aktuellen Cut-Outs, die im Rahmen der Artist-Residency kürzlich in Vorarlberg entstanden sind. Die ineinander verschlungenen Muster sind aus verschiedenen Materialien, wie Papier, Leder oder Fotografien geschnittenen, überlagern sich und wecken Assoziationen zum weiblichen Geschlechtsorgan. Durch ihre Abstraktion und den Detailreichtum verweisen sie auf den Körper der Frau als Ursprung des Lebens. Ihre subtil gestalteten Arbeiten tragen Titel wie „Blüte“ oder „Ovaleske“, die den eigentlichen Ursprung verschleiern. Diese Kombination aus haptischen Strukturen und komplexen Überlagerungen verleiht den Werken eine beeindruckende Tiefenwirkung und lässt sie wie dreidimensionale Objekte erscheinen.



Tanja Prušnik — schafft mit ihren Bildarchitekturen eine nahezu unendliche Vielfalt an Erscheinungsformen, welche die Betrachtenden dazu anregen, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Die Künstlerin beschäftigt sich mit der Sensibilisierung der Wahrnehmung als künstlerische Strategie und setzt die Stele als visuellen Anreiz für einen Perspektivenwechsel in den Mittelpunkt. Ihre Objekte fordern die Betrachtenden auf, genauer hinzuschauen, Perspektiven zu verändern, die Wahrnehmung zu schärfen und auch das Dahinter – die sichtbar gemachte Rückseite – wahrzunehmen.

Johann Feilacher — wählt Holz als Material, da ihm das organische, sich ständig verändernde Wesen dieses Stoffes in der heutigen digitalen Zeit besonders passend erscheint, um einen Kontrapunkt zu setzen. Die Verwendung von abgestorbenen Bäumen, teils mit zerfallenden Teilen, versteht er als Symbol für die Gegenwart, die Vergänglichkeit und zugleich für die Wiederverwendung von scheinbar Unbrauchbarem. Ein besonderes Merkmal seiner Arbeiten ist die Bearbeitung mit Feuer, die vor allem in den kleineren Skulpturen sichtbar wird. Durch das gezielte Brennen und Verkohlen einzelner Teile entsteht ein faszinierender visueller Effekt. Feuer, als ambivalentes Element – einerseits zerstörerisch, andererseits transformierend – wird hier zum Werkzeug, das die Grenze zwischen Vergehen und Erschaffen auslotet. Der Künstler arbeitet dabei mit außergewöhnlicher Präzision und fängt den Moment ein, in dem die Objekte in einem Zustand des Schwebens zwischen verschiedenen zeitlichen Dimensionen erscheinen.



Herzlichen Dank an Petra Forman, Ina Loitzl, Tanja Prušnik und Johann Freilacher und alle Besucher*innen für diesen schönen Abend.

Foto credit: Erol Serbest
Lust auf mehr? Hier geht es zu den Websites der Künstler*innen
Petra Forman – https://www.formanpetra.com
Ina Loitzl – http://inaloitzl.net/joomla2/
Tanja Prušnik – http://www.prusnik.com
Johann Feilacher – https://www.feilacher.com/2k24/
