
Isabel Belherdis (*1976 Graz) erforscht anhand ihres eigenen Körpers, den sie in Bezug zu Raum und Objekten stellt, Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustände, die durch Fühlen, Bewegung und Verinnerlichung hervorgerufen werden. Die Methodik, die sie im Laufe der Jahre entwickelt hat, nennt sie „Auto-Performance“. Ihre Werke lassen uns teilhaben an einer Welt der Innerlichkeit, des Alleinseins, der Selbsterforschung und der poetischen Körper-Raum-Inszenierung – eine Welt zwischen Innen und Außen. Ihr Oeuvre umfasst Fotografie, Zeichnung, Text, Sprache, Performance, Video und Installation.
Kannst du das Prinzip der Autoperformance erklären?
In meinem multimedialen Werk bildet die von mir „Autoperformance“ genannte Methodik (das heißt ich agiere zur gleichen Zeit als Schauspielerin und Zuschauerin) den Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit Fragen zu Raum und Körperlichkeit, Beziehung zu Subjekt und Objekt (Belebtes/Unbelebtes) , subjektive Bewusstseinsqualitäten (Fühlen, Berühren) und zwischenmenschlichen Annäherungen (Intimität, Nähe/Distanz, Öffentlichkeit/Privatheit).
Durch die mittels Fotografie oder Video aufgenommen „Autoperformances“ sowie Texten und Sprachaufnahmen erkunde ich die innere Landschaft meiner Gedanken und Gefühle, die auf eigenen Erfahrungen, Eindrücken und Erinnerungen beruhen. In einem weitere Schritt selektiere ich dieses erste Material ( oft erst nach jahrelanger Archivierung) und verwebe dieses mit philosophischen und psychologischen Betrachtungen zu einer umfassenderen Erzählung, für deren Verdichtung ich die Fotografien auf ausgewählte Materialien drucke, sie innerhalb einer Installation verarbeite oder zu einer Form abstrahiere.


Welche Themen beschäftigen dich künstlerisch?
Seit den Anfängen meines künstlerischen Tuns haben mich die essentielle Zustände des menschlichen Seins inspiriert: Mein ganzes Werk dreht sich um elementaren menschlichen Zustände und Handlungen wie etwa Berühren, Fühlen, Verweilen, Schlafen, Träumen, Sehnen, Warten.
Mich fasziniert die Labilität der Gefühle, ihre Direktheit sowie Unausweichlichkeit und die sich daraus ergebenden Wege psychischer und physischer Art. Dabei interessiert mich die Veränderung meiner Wahrnehmung in bestimmten Situationen, die ich kreiere, die Erkenntnisse, die ich daraus gewinne, das Enträtseln und Deuten des oft Unterbewussten.



Welche Bedeutung hat das Selbstportrait in deinem Werk?
Es ist interessant, denn ich habe mir eigentlich nie die Frage gestellt, weshalb ich mich selbst zum Objekt meiner Kunst mache. Weshalb ich meine Themen von mir abstrahiere und ganz direkt über
meine Körperlichkeit ausdrücke. Für mich war und ist das Selbst-Abbilden etwas vollkommen Natürliches. Ich bin das Mittel zum Zweck und Bildträgerin meiner Kunst.
In den Autoperformances, bereite ich mir eine fotografische Bühne für meine eigene Befindlichkeit, die sich in Gesicht und Körper ausdrückt und in Bezug zu Raum und Objekten stellt. In der Performance nütze ich meine subjektive Befindlichkeit, um in einem meditativen Tun und zumeist mit Hilfe von Objekten nachzuforschen und in diesen Zustand zu tieferen Schichten in mir vorzudringen, die eine allgemeine Gültigkeit haben.


Neue Werke sind bis 20. Dezember 2023 im Kunstverein Kärnten im Rahmen der Ausstellung DIE NEUEN (2022) zu sehen.




Interview geführt von Paula Marschalek.
