
Das künstlerische Statement „IN-BETWEEN“ von Bianca Ion und Anita Münz, kuratiert von Paula Marschalek, widmet sich der Auseinandersetzung der vielfältigen Facetten von Kommunikation. Die Dialogausstellung adressiert sowohl die komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen als auch tiefgreifende Verbindungen des Menschen zu seiner Umwelt und Natur.
Der Titel „IN-BETWEEN“ referiert auf die zahlreichen Zwischenräume und Übergänge in unserem Leben und verweist auf die Momente, die sich einer eindeutigen Definition entziehen und sich in einem beständigen Wandel und Dialog befinden. Die künstlerischen Arbeiten dienen hier als Medium für neue Diskurse, Narrative und Assoziationen, die Austausch anregen sollen.










Bianca Ion
Bianca Ions künstlerische Werke oszillieren zwischen Bild und Plastik und sind stark davon geprägt, die Schnittstelle zwischen dem Individuum und gesellschaftlichen sowie systemischen Normen darzustellen. Bevor sie sich der bildenden Kunst zuwendete, schloss sie das Studium der Architektur ab und arbeitete viele Jahre in diesem Bereich, woher auch die Vorliebe zum Handwerk, das Auge fürs Detail und das Interesse zur Räumlichkeit herrührt. Der Bezug zur Architektur ist besonders im künstlerischen Prozess gegeben, nachdem die zu bearbeitenden Themen für sie klar werden, startet sie mit maßstabgetreuen Skizzen, um die Proportionen und Raumwirkung greifbar zu machen. Im nächsten Schritt wird die innere Vision auf die Leinwand appliziert. Dabei spielen Alltagsmaterialien wie Nägel oder Zahnstocher eine Rolle, die effektvoll auf die weißen, manchmal auch grundierten Leinwände fixiert werden und dynamische Abbildungen ergeben. Es sind bewegte Muster, lebendige Strukturen, die einerseits Bezüge zur Darstellbarkeit von Bildern und andererseits zur Anpassungsfähigkeit und Vielfalt der Natur herstellen. Serien wie Frischling oder Part of Us befassen sich inhaltlich mit Aspekten von Fell und Behaarung sowie verdeutlicht damit unsere biologische Verwobenheit mit anderen Säugetieren.
Die Künstlerin untersucht auf einer weiteren Ebene die plastische Darstellbarkeit von Bildern und beschäftigt sich eingehend mit dem Spiel der Dimensionen. Gerade der Kontrast zwischen weichem Stoff und hartem Holz ist in ihrer künstlerischen Praxis bedeutend. Die Leinwand wird hier nicht nur als Trägermaterial bespielt, sondern agiert als eigenständiges Element der Komposition, die spitzen Zahnstocher sind dabei als Gegenspieler zu verstehen und regen im metaphorischen Sinne dazu an die Sprache des Materials zu erkunden. Ion geht es um die Wechselwirkungen zwischen Empfindungen, Wahrnehmungen sowie Gestaltung und Reflexion, um ein haptisches Erleben in einer schnelllebigen und konsumorientierten Gesellschaft.




Anita Münz
Anita Münz bildet in ihren farbenprächtigen sowie humorvollen Zeichnungen deutlich und mehrfach das Thema Gleichberechtigung ab. Unterschiedliche Aspekte wie zwischenmenschliche Beziehungen, Intimität und weibliche Sexualität werden von ihr dargestellt und stehen im Fokus der künstlerischen Praxis. 1979 begann sie zu zeichnen und entwickelte den sogenannten Zyklus Befreiungsbilder, der ihre Auseinandersetzung mit weiblicher Sexualität widerspiegelt. Ironisch und provozierend lotet die Künstlerin in diesen den weiblichen Körper sowie die eigene Sexualität aus, schafft einen Bruch mit gesellschaftlichen Erwartungen an die Frau und dekonstruiert so die traditionelle Ikonographie des Weiblichen. Gleichzeitig fertigt sie filigrane, farbenfrohe Zeichnungen an, die Dynamiken von Anziehung und Abstoßung in zwischenmenschlichen Beziehungen, zumeist zwischen Mann und Frau, thematisieren. Diese Zeichentechnik bleibt bis heute ein wesentlicher Teil ihres künstlerischen Ausdrucks. Ihre Arbeiten heben sich durch klare Linien, eine lebendige Farbpalette und expressive Gesten ab, die neue Perspektiven auf alltägliche Beziehungsdynamiken eröffnen und die Betrachtenden dazu einladen, die Vielschichtigkeit menschlicher Verbindungen zu erfassen. Mit einer Kombination aus kräftigen Farben, bewegten Mustern und überspitzten Charakteren veranschaulicht sie die Dynamik und Komplexität menschlicher Interaktionen und den Raum zwischen diesen. Mit anderen Personen in Verbindung zu treten, offen zu sein, voneinander zu lernen, füreinander da zu sein und gemeinsam etwas zu bewirken, diese Bemühungen prägen ihr Oeuvre und loten Beziehungen zu sich selbst, zu einer anderen Person und schließlich zur Gruppe aus.




Credits: Bianca Ion, Luzia Ellert & Isabella Fürst
